Laotse - Tao Te King


Zur Einführung.....................................................1

Die eigene Lehre............................................... 11

Das Tao............................................................ 12

Nicht-Tun.......................................................... 23

Die Ordnung der Dinge...................................... 27

Der Herrscher................................................... 40

Über die Tugend................................................ 56

Der Mensch....................................................... 65

Über die Wahrheit.............................................. 74

Der Weise......................................................... 78

Über den Krieg.................................................. 88



Zur Einführung

 

Das »Buch vom Weg und von der Tugend«, wie man das Tao-Teh-King, als dessen Verfasser ein Mann namens Lao-Tse (das könnte man übersetzen mit »Alter Meister«) gilt, zählt im Gesamtumfang nicht mehr als 5300 Worte; bei der Abfassung wurden insgesamt nicht mehr als rund 800 verschiedene Schriftzeichen benutzt - ein eindringlicher Hinweis auf die Schlichtheit der Sprache in dieser ohne jeden Zweifel grundlegenden Schrift der Philosophiege­schichte.

Der vorgegebene Verfasser, Lao-Tse, ist historisch nicht einwandfrei greifbar, auch wenn neuere For­schungen darauf hinweisen, dass der Verfasser des Tao-Teh-King etwa um das Jahr 300 v. Chr. oder aber später gelebt haben mag.

Auch die chinesischen historiographischen Schriften geben uns keine weiterführende Hilfe auf unserer Suche nach dem Autor des schmalen Büchleins. Wohl wird im taoistischen Traktat des Tschuang-Tse ein Tao-Tan erwähnt, der als Gegenspieler des gelehrten Konfuzius auftritt; stimmten diese Angaben, dann wäre dieser Auftritt etwa Mitte des sechsten, Anfang des fünften Jahrhunderts v. Chr. erfolgt. Doch da chinesische Chronisten und Philosophen schon immer die Neigung besaßen, Personen, an deren Lehre oder Wirken ihnen lag, älter zu machen, indem sie sie anderen historischen Persönlichkeiten zuordneten, kann man auf diese Erwähnung im Tschuang-Tse-Text wenig geben.

Und auch die Schilderung, die der Historiker Sze-Ma Kien in seinen Geschichtsannalen, dem Schi-ki, vom letzten Auftauchen des greisen Philosophen in dieser Welt gibt, gehört wohl mehr ins Reich der Fabel:

Da macht sich ein königlicher Archivar, der Welt und ihrer Ereignisse überdrüssig, nach Westen auf, um die Welt (das aber hieß für die alten Chinesen immer: das Reich der Mitte, China also) zu verlassen. Am fernen Pass trifft der Alte auf den Kommandanten der Grenz­station, der ihn inständig bittet, seine Gedanken in schriftlicher Form zurückzulassen, wenn er denn schon diese Welt hinter sich lassen wolle. Diesem wissbegierigen Kommandanten also, so will es diese auch bei uns sehr bekannte Fabel, haben wie die Niederschrift des Tao-Teh-King zu verdanken.

Wenn also auch die Person des Verfassers des Tao-Teh-King im Dunkel der Geschichte verborgen bleibt, so ist sein Werk seit langem weltweit verbreitet und genießt große Wertschätzung. Was wohl immer wieder viele Menschen in Bann schlägt, ist das mysti­sche Dunkel, das Vieldeutige vieler Sentenzen im Tao-Teh-King, was auf der anderen Seite dazu ge­führt hat, dass es fast unzählige Übersetzungen des Büchleins in die verschiedensten Kultursprachen gibt (allein im Deutschen gibt es bereits eine fast unüber­sehbare Anzahl), die sich in manchen Versionen grundlegend unterscheiden. Dies hängt sicherlich zum einen mit dem tiefgründigen Gedankengut Lao-Tses, um bei diesem Verfassernamen zu bleiben, zu­sammen; zum anderen aber auch mit der Struktur der klassischen chinesischen Schriftsprache, die verschie­dene Übersetzungsvariationen ermöglicht, von denen jede als richtig belegt werden kann.

Die beiden Grundbegriffe in Lao-Tses Werk, nämlich »Tao« und »Teh«, wie sie bereits im Titel des Trakta­tes ausgewiesen werden, bieten dafür Beispiel genug. »Tao« bedeutet, wörtlich übersetzt, zunächst einmal »der Weg«, aber auch - verbal verstanden - »führen«, »lenken«, »regieren«; zeitweilig kann es auch die Bedeutung »sprechen« oder »nennen« haben. »Tao« kann aber auch, auf der anderen Seite, für das Zusam­menspiel der beiden kosmischen Kräfte stehen, des (weiblichen) Yin und des (männlichen) Yang; es be­deutet dann etwa »kosmische Ordnung«. Um Missverständnisse von vornherein auszuschließen, haben wir »Tao« als Begriff stehen lassen.

»Teh«, der zweite Begriff, wird hier wiedergegeben mit »Tugend«. Es ist darunter die Wirkkraft zu verste­hen, die den einzelnen Wesen ihre wesensbedingte Besonderheit verleiht. Dabei ist »Teh« direkter Ausfluss des Wirkens von »Tao«. Ursprünglich, so kann man annehmen, verbarg sich hinter »Teh« ein mehr naturreligiöser, animistischer Begriff; von daher ist offenkundig, dass nicht nur dem Menschen »Teh« innewohnt, sondern ganz natürlich auch der Tier- und Pflanzenwelt, aber ebenso gut dem Erz oder den Wettererscheinungen .

Lao-Tses Schrift ist zuerst einmal eine politische Schrift mit direkten Anweisungen an den Herrscher, wie er seine Geschäfte zu führen hat; darüber hinaus aber stellt es sich bei näherer Betrachtung sehr wohl auch als praktisches Handbuch für den Alltag, die täglichen Verhaltensweisen des einzelnen, heraus. Es ist dies ein Aspekt, der neben allem Rätselraten über die Bedeutung manch mystisch-hintergründiger Text­stelle öfter vergessen wird.

In dieser Auswahl aus dem Tao-Teh-King wird ver­sucht darzustellen, dass auch der moderne Mensch mit dem Altchinesen Lao-Tse und seinem Werk durchaus noch etwas anfangen kann. Manches musste dabei weggelassen werden, was ohne weitgehende Einsicht in die Zusammenhänge chinesischen Denkens nicht verständlich würde. Natürlich handelt es sich hier um eine sehr persönliche Zusammenstellung des Heraus­gebers, der freilich hofft, das Wesentliche herausge­holt und damit etwas zur Aufhellung dieses Traktates beigetragen zu haben.

Der doch auch praktische Charakter des Büchleins über Tao und Teh ließ es berechtigt erscheinen, ihm Illustrationen beizugeben, die chinesische Menschen bei der täglichen Arbeit zeigen. Denn auch für sie wurde dieser Text ursprünglich geschrieben.